25 Jahre - Tipps

Hat dir Spinat als Kind geschmeckt? Eine Faustregel besagt ja, dass ein Kind etwas 15 mal probieren muss, bis es den neuen Geschmack kennt, diesen akzeptiert und mag. Wirksam gegen diese Neophobie ist vielleicht unser buntes Gemüseallerlei. Hier gibt es deshalb 25 mehr oder weniger bekannte Gemüseraritäten zu entdecken.

1. Mairüben (Brassica rapa subsp. rapa var. majalis)

Johann Wolfgang von Goethe hatten sie es angetan, die Mairübchen. Bei früher Aussaat bilden diese zarte, aromatische Knollen, die weiß, mitunter violett überhaucht sind. Geruch und Geschmack erinnern an Kohlrabi und Radieschen, sie schmecken aber milder und süßlich. Als Schwachzehrer bevorzugen sie sonnige bis halbschattige Standorte. Wenn du ihre Samen sehr dicht aussäst bekommst du Stielmus, auch Rübstiel genannt. Die Rübchen entwickeln sich wegen Platzmangels kaum bis gar nicht. Eng verwandt mit Mairübchen sind Teltower Rübchen und Herbstrüben. Letztere werden aber später geerntet und fallen auch etwas größer aus. Als man Erdäpfeln noch nicht kannte, waren Rüben wegen ihres Stärkegehalts als Grundnahrungsmittel weitverbreitet und geschätzt.

2. Reise-Paradeiser (Lycopersicon esculentum)

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen.“, sagte einst der Dichter Matthias Claudius (1740-1815). Zum Beispiel könnte eine Erzählung vom Reise-Paradeiser handeln. Der Fleischparadeiser aus Guatemala kann bei uns im Freiland, im Folientunnel oder als Topfkultur gezogen werden. Er zeigt zwar wie viele Tomaten eine rote, gleichzeitig eine sonderbar ungewichtete, stark gekerbte Fruchtform: Der Name verrät etwas über die aromatisch bis säuerlich und nicht geschmacksintensiven, saftigen, weichen „abgeschnürten Teilfrüchte“. Diese kann man einzeln leicht abtrennen und nach und nach verspeisen. Dementsprechend behält man, ist man unterwegs, saubere Finger bei diesem praktischen Pausensnack.  

3. Mexikanische Minigurke (Melothria scabra)

Klein, aber oho. Ihre Früchte erinnern mit ihren maximal 1,5 cm Länge an winzige, längliche Wassermelonen, die gelben Blüten an Gurken im Miniformat. Auch der intensive Geschmack entspricht dem von Gurken, zu dem je größer die Frucht wird, sich ein leicht säuerlicher Beigeschmack gesellt. Es werden zahlreiche Beerenfrüchte pro Pflanze an jeweils einem langen, schlanken Fruchtstiel ausgebildet. Diese grünen Winzlinge musst du fast mit der Lupe suchen, bis du dich auf sie eingestimmt haben. Die einjährige Kletterpflanze, die auch in Topfkultur gut funktioniert, stammt aus den Tropen der Neuen Welt und schwingt sich im bescheidenen Umfang in die Luft. Dabei bleibt das Kürbisgewächs im Gegensatz zu vielen Gurken von Mehltau verschont.  

4.  Ewiger Kohl (Brassica species)

„Ewiger Kohl“ muss nicht jedes Jahr neu ausgesät oder gepflanzt werden. Diese „Baumform“ aus Belgien wird über Stecklinge vermehrt. Im Frühling gepflanzt wird der nicht blühende Kohl bis zu 1m hoch. Als Starkzehrer benötigt er viel Nährstoffe, wie Kompost, organischen Langzeitdünger oder besser noch verrotteten Mist. Trotz seiner leichten Kultivierbarkeit und Anspruchslosigkeit ist er hübsch anzusehen und bis etwa -15°C winterhart. Die ganzjährige Ernte ist etwa vier bis zehn Jahre möglich. Für die Ernte reißt du das Blatt mit leichter Drehung nach unten ab. 5 bis 6 Blätter sollten immer übrigbleiben, im Winter sogar 8. Wo viel Schnee liegt, kannst du mit Stecklingen auf Nummer sicher gehen. Sonst wächst er und wächst und wächst…  

5. Schwarznessel Shiso (Perilla frutescens)

Shiso oder Perilla wird einjährig kultiviert. Es ist nicht winterhart, sät sich aber gut aus. Sein dunkelrotes Laub und die stark gezähnten Blätter sorgen für seine charakteristische Erscheinung, die Wuchshöhen von 40 bis 70 cm erreicht. An sonnigen oder halbschattigen Standorten fühlt die Schwarznessel sich wohl. Auf Reisen in Fernost begegnet man Shiso als traditionellem japanischem und koreanischem Gewürz, vor allem für Sushi. Möchtest du Shiso-Pesto zubereiten, solltest du etwa 8 Pflanzen ziehen, als Ergänzung für Salate mit leichtem Koriander- Aroma genügen 1 bis 2 Stück. Für das in Asien so beliebte Kraut existieren viele Namen wie Wilder Sesam, Schwarznessel, japanisches Basilikum oder japanische Kresse.

6. Eiskraut (Mesembryanthemum crystallinum)

Herrlich knackig-salzige Blätter gleich frisch in den Salat! Bei uns immer noch oft unbekannt - in Australien, Neuseeland, aber auch in Frankreich und Spanien ist das ausläufertreibende Kraut mit den zarten weißen Blüten weit verbreitet. Seinem kriechenden Wuchs verdankt das Eiskraut seinen Namen und den Salzkristallen, die sich auf Blättern und Stielen durch Verdunstung bilden. Zu den Mittagsblumengewächsen zählend stammt das sehr wärmebedürftige Kraut aus sandigen, trockenen Küstenregionen Südafrikas und liebt deshalb trockene, sonnige Plätze. Ansonsten pflegeleicht kannst du laufend einzelne seiner Blätter oder Triebspitzen ernten. Ähnlich salzig schmeckt das Salzkraut (Salsola soda), auch Mönchsbart oder Agretti. Es wächst in Salzsümpfen, -marschen oder an Küsten in der prallen Sonne.

7. Olivenkraut (Santolina viridis)

Am klimafitten Balkon darf es nicht fehlen: Das winterharte Olivenkraut oder auch Grüne Zypressenkraut ist ein Korbblütler aus der Gattung der Heiligenkräuter. Es liebt warme, sonnige Standorte, wie in Kräuterbeeten oder- oder Kräuterspiralen, sonnigen Blumenbeeten und setzt sich auch als Beeteinfassung oder duftende Strukturpflanze zwischen Trockenmauern gut in Szene. Aus dem Mittelmeerraum stammend duftet der mehrjährige verzweigte und immergrüne buschige Halbstrauch angenehm würzig nach den namensgebenden Oliven: Er wird aber nur 20 bis 50 cm hoch und verholzt gerne im unteren Bereich. Im Sommer zeigen sich körbchenförmige, hellgelbe Blütenköpfchen direkt an den Stängeln und daran anschließend spezielle Nussfrüchte.

8. Surinamspinat Erdginseng/Tu Ren Shen (Talinum paniculatum)

Er stammt aus dem tropischen Amerika, hat sich durch den Menschen aber in tropischen und subtropischen Zonen aller Kontinente verbreitet. Mit einer Höhe von etwa 70 cm ist und leicht verholzenden Achse ist er ein Halbstrauch. Die Stängel und die leicht sukkulenten Blätter können wie Spinat verkocht werden, schmecken aber auch gut als Salat. Wegen ihrer knackigen Festigkeit wirken sie an Hitzetagen durchaus erfrischend. Ihre roten Beeren und pinken Blüten an den feinen Trieben sind auch im Staudenbeet oder im lebenden Gemüsekisterl sehr hübsch anzusehen. Sie säen sich von März bis Mittsommer gern selbst aus. Sonst einfach leicht mit Erde bestreuen und feucht halten.  

9. Meerkohl (Crambe maritima)

Die breiten, gebleichten Triebe und die knospigen Blütentriebe sind als delikates Frühgemüse ein Gaumenschmaus. Aber auch in Staudenbeeten stechen sie imposant heraus und sind eine Zierde. Die großen, graugrünen Blätter mit dem typischem purpurfarbenen Farbhauch zeigen sich mehrerer Jahre lang, wenn man sie lässt. Sie sind sehr gut winterhart. Im zeitigen Frühling wird eine Bleich-Glocke oder ein Plastikeimer über die Pflanzen gestülpt, damit man sie etwa einen Monat später mit etwa 20 cm Länge das erste Mal beernten kann. Die Zubereitung ist wie beim Spargel. Junge Blätter können wie Kohl oder als Salat zubereitet werden.

10. Speisechrysantheme (Chrysanthemum coronarium)

Der botanische Name der Speisechrysantheme oder Kronen-Wucherblume wurde in Giebionis coronaria abgeändert. Coronarium erinnert an das den siegreichen Feldherrn dargebotene Kranzgold oder auch an Corona. Die großen Blüten des Dauerblühers leuchten bis zum ersten Frost aus den Gemüsebeeten, werden sie nicht schon zuvor als Blütenknospen, etwa für Chop Suey, verwendet. Vom Würzkraut der fernöstlichen Küche werden die jungen Blätter gedünstet oder roh gegessen. Die einjährige Wildpflanze kann an sonnigen Standorten auch für Kübel und Balkon gezogen werden. Bevorzugt werden ein sonniger Standort und ein durchlässiges Substrat. Die von April bis September draußen ausgesäten Pflanzen sollten nicht austrocknen. Als gutes Teekraut sieht es in Kräutermischungen nicht nur besonders aus, sondern verleiht ihnen feine Würze.

11. Okra (Abelmoschus esculentus)

Sie zählt zu den ältesten Gemüsearten. Die Früchte des Gemüse-Eibisch oder Okra stehen aufrecht und werden zwischen 10 und 15 cm lang. Die Schoten schmecken mild, leicht herb und säuerlich pikant und sie lassen sich sehr vielfältig zubereiten. Bis 2,5 m Höhe erreichen die einjährigen Pflanzen aus der Familie der Malvengewächse. Die ursprünglich dem afrikanischen Äthiopien stammenden Pflanzen sind sehr wärmebedürftig und werden sie besser unter Glas oder Folie an Schnüren kultiviert. Noch schwer anzubauen sind sie an sonnigen, warmen und geschützten Standorten auf nährstoffreichen, humosen Böden eine Zukunftshoffnung für den Klimakrise.

12. Winterheckenzwiebel (Allium fistulosum)

Im Vergleich zur Speisezwiebel (Allium cepa var. cepa) sind Winterheckenzwiebel (Allium fistulosum) mehrjährig. Die Pflanze bildet Stöcke mit dicht nebeneinanderstehenden Blättern aus. Die bis zu 70 cm hohen röhrenförmigen Blätter zeigen sich früher im Jahr als der Schnittlauch. Die robusten Blätter sind trotzdem zarter als etwa die der Frühlingszwiebel. Die Steckzwiebeln werden im April in die Erde gesteckt. Aussäen kannst du diese ab Anfang März direkt ins Beet oder besser von August bis September. Die Samen keimen unter einer dünnen Erdschicht. Die sogenannten Schlotten können ganzjährig geerntet werden und zieren auch Balkonkistchen und Staudenbeete: Dort werden die weißen Blütenbälle gerne von Insekten besucht, wie auch die vom Knoblauch-Schnittlauch (Allium tuberosum).

13. Knollen-Ziest (Stachys affinis)

Aus Japan und China ist der Knollen-Ziest erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach Europa gelangt: Im Beet ist er völlig winterhart, im Balkonkasten braucht er den Winter über einen Kälteschutz. Die buschig wachsende Staude, die etwa 40 cm hoch wird, breitet sich über Wurzelausläufer aus. Wie gut, dass ihre Knollen, die ab Herbst laufend geerntet werden können, ein echter Leckerbissen sind. Roh oder gekocht liefern sie einen milden Geschmack zwischen Schwarzwurzel und Artischocke. Die ausdauernden Pflanzen bevorzugen leichte, wasserdurchlässige Böden und gedeihen auch bei kühlem und nassem Wetter gut. Der Anbau in sandigem Boden oder auf lockerem Boden empfiehlt sich, für eine leichte Reinigung der Knollen mit ihren typischen Abschnürungen.

14. Erdmandel (Cyperus esculentus)

Das Erdmandelgras ist ein bis 50 cm, mitunter 90 cm Höhe erreichendes, horstbildendes Sauergras (Cyperaceae). Das „Essbare Zyperngras“ zeigt lange, schmale, schilfartige Blätter. Es blüht in gelb bis orange leuchtenden Ährchen. In der Vegetationszeit bilden sich an den Spitzen der unterirdischen Wurzelrhizome erdnussgroße mittelbraune Knöllchen. Diese Erdmandeln können roh genascht, als Nussersatz gemahlen, als Gemüsebeilage gekocht oder nach dem Rösten und Mahlen als kaffeeähnliches Getränk aufgebrüht werden. Nur aus dem Staub machen dürfen sie sich nicht: Wurzel- oder Rhizomsperren sind für den potenziell invasive Neophyten notwendig. Sie sollten deshalb nur im Topf gehalten und nach dem ersten Frost ausgegraben und gut verwahrt bzw. verzehrt werden!

15. Süßkartoffel (Ipomoea batatas)

Als orangefarbene Pommes frites sind sie ein über- und gleichzeitig unterirdischer Genuss. Die sehr gut haltbaren Süßkartoffeln peppen auch in Violett oder Weiß peppen Gerichte optisch auf. Ertrag bringen 'Beauregard' oder 'S8'. 'Evangelia' zeigt rote Blättern, 'Murasaki' weißes Fruchtfleisch, 'Bonita' bildet kleinere Knollen aus. Für die Sonnenkinder eignen sich besonders Gewächshäuser gut, etwa mit einer Vorkultur von Salaten, Radieschen oder Spinat. Aus den jungen Blättern der Süßkartoffel kannst du Spinat zubereiten. Mit Stecklingen werden die kälteempfindlichen Gemüse - ursprünglich aus den Tropen stammend - drinnen überwintert und kommen in frostfreien Zeiten als Klimakrisengewinner in Kübeln oder Balkonkistchen abermals zum Einsatz.

16. Oka Knollensauerklee (Oxalis tuberosa)

In ihrer mexikanischen Heimat gilt manch Sauerklee übrigens nicht als besonderes Glückssymbol. Anders vielleicht die nahrhaften, mit nussartig- fruchtigem Geschmack versehenen Knollen. Sie stammen aus dem Hochland der Anden und haben es als die älteste kultivierte Knollenpflanze der Anden und nach den Erdäpfeln zur zweitwichtigsten Erdfrucht gebracht. Die Pflanzen mit den stärkehaltigen Knollen werden bis zu 40 cm hoch. Sie wachsen am besten in der Vorkultur in Töpfen, bevor sie ins Freiland ausgepflanzt werden. Hier mögen sie sonnige, aber nicht zu heiße Standorte, bei etwa 2°C unter Sträuchern oder im Hausschatten. Nach der Ernte werden sie einige Tage an der Sonne gelagert, damit sich Oxalsäure abbaut und Zucker aufbaut.

17. Yacon (Polymnia sonchifolia/Smallanthus sonchifolius)

Die weißfleischigen, saftigen Knollen werden roh, gedünstet oder gebraten gegessen, junge Sprosse als Gemüse gekocht. Auch als Chips schmecken die fruchtig-süßen Wurzelknollen. Der Korbblütler, dessen Blüten sich für Tee eignen, kommt nach den Frösten ins Freiland, Rhizome im Topf ab Mitte März ins beheizte Gewächshaus. 1m² Garten benötigt jede Wurzel, am besten in leichten, sandigen Böden ohne Staunässe an sonnigen, windgeschützten Plätzen: Reichliches Angießen mit lauwarmem Wasser sorgt bei der Pflanzung für guten Bodenschluss. Vor Schnecken müssen die Pflanzen geschützt werden. Die Ernte erfolgt zwar erst nach dem ersten Frost, dennoch sind die Knollen frostempfindlich. Vermehrt wird die ausdauernde Pflanze über Wurzelsprosse.

18. Zuckerwurzel (Sium sisarum)

Mit dem Aufkommen von Erdäpfeln und Zuckerrübe geriet die Zuckerwurzel zunehmend in Vergessenheit. Ursprünglich aus Zentralasien und dem Kaukasus stammend war sie noch im 16. und 17. Jahrhundert in Europa sehr beliebt. Die kälteresistente, mehrjährige Pflanze blüht ab dem zweiten Jahr und bildet an frischen bis feuchten, nährstoffreichen, tiefgründigen Böden ohne Staunässe dicke Speicherwurzeln mit typischen Einschnürungen, die bis zu 30 cm lang werden können. Der Doldenblütler erreicht Wuchshöhen von bis zu 1,5 m. Weil sie recht langsam keimen, kannst du die Samen schon im November über Nacht vorquellen, in Aussaatschalen säen und diese dann über den Winter bei 20°C aufstellen. Belohnt wirst du mit Wurzeln mit süßlichem Pastinakenaroma.

19. Haferwurzel (Tragopogon porrifolius ssp. porrifolius)

Seit der Antike wird die Haferwurzel auch Purpur-Bocksbart genannt, aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) als Gemüse verwendet. Aus dem Mittelmeerraum kommend erinnert ihr herber Geschmack an Austern, wie der englische Name „Vegetable Oyster“ verrät. Von Mitte März bis Ende April werden sie direkt von Sonne bis Halbschatten ins Freiland gesät - in tiefgründige, humose, gut gelockerte und gut gedüngte Böden. Je verdichteter und trockener sie sind, desto mehr bildet die bis zu 30 cm lange und 2-4 cm dicke weiße erwünschte Haferwurzel kleine Nebenwurzeln aus. Auch deswegen sollte in den sehr heißen Monaten zusätzlich bewässern werden. Erst ab Ende Oktober und den Winter hindurch wird geerntet. Schade, denn so kann man die schöne Blüte nicht mehr erleben.

20. Chayote (Sechium edule)

Hoch hinaus will dieser Ranker mit seinen Früchten. Sein Geschmack erinnert an Kürbis, Gurke und Zucchini oder Kohlrabi, ist also leicht süßlich. Wuchernd kletternd kann die Pflanze aus der Familie der Kürbisgewächse je nach Rankgitter mehrere Dutzend m² bedecken. In einem Baum kann sie selbst bis über fünf Meter hoch heranwachsen. An den Boden stellt sie keine besonderen Ansprüche. Er sollte aber frei von Staunässe sein. Unter 15°C wird die wärme- und sonnenliebende Pflanze nicht glücklich. Ihr nicht frostbeständiges Rhizom lässt sie im Frühjahr von neuem sprießen. Oder eine Frucht, die ab Februar waagrecht inmitten eines großen Blumentopfs ausgepflanzt und der bei 25 bis 30°C aufgestellt wird. Regelmäßig, aber nicht zu viel gießen. Ab Mitte Mai geht’s in den Garten.

21. Sojabohne Edamame (Glycine max)

Edamame – auf japanisch „Stängelbohnen“ – sind noch vor der Reife leicht zu ernten. Nur kurz gegart, mit Salz bestreut sind die grünen Sojahülsen köstlich. Die aus Ostasien stammende Sojabohne kann im Weinbauklima im Freiland von Mitte April bis Anfang bzw. spätestens Mitte Mai angebaut werden, sobald sich der Boden, der humos, locker und tiefgründig sein sollte, auf 10°C erwärmt hat. Sie benötigt sonnige und windgeschützte Standorte, steckt Spätfröste bis minus 5°C aber trotzdem meist weg. Empfindlich reagiert sie - wie alle Bohnen - auf Staunässe. Als einzige Kurztagpflanze unter den Bohnen blüht sie im Sommer, wenn die Tage wieder kurz genug dafür sind. Wird sie zu spät angebaut, verzögern sich Blütenanlage und Samenbildung.

22. Malabarspinat (Basella alba 'Rubra')

Ihre Blätter und Stängel erinnern roh oder gegart an den Geschmack junger Maiskolben. Das schöne runde Laub mit knackige, fleischig-saftigen Blättern und dunkelrote, intensiv färbende Früchte machen sie zu dekorativen Kletterpflanzen mit bis 4 m Höhe. Die Früchte der rotblättrigen Auslese werden gerne zum Malen verwendet. Die Pflanzen, die ursprünglich aus Indien stammen, bevorzugen warmes, feuchtes Klima. In wärmeren Lagen (Weinbauklima) können sie auch hinaus ins Freiland oder auf sonnige Balkone. Sonst verbringen sie ihre Zeit besser im Glashaus oder als Zimmerpflanze. Der optimale Standort ist sonnig bis halbschattig, in einem durchlässigen Boden. Auch Basella alba, der weiße Malabarspinat eignet sich für gemischte Salate und als Spinat.

23. Klauenklette/Teufelsklette (Proboscidea louisianica)

In die Familie der Gemsenhorngewächse gehört diese interessante Pflanze aus den USA. Sie ist nicht verwandt mit der Gattung der Teufelskrallen aus der Familie der Glockenblumengewächse. Die einjährige, wärmeliebende und frostempfindliche Pflanze wird von voller Sonne bis Schatten bis 60cm hoch und zeigt große, rachenförmige, weiße und rosa Blüten, die nach Brausepulver duften. Die Direktsaat erfolgt von März bis September. Ihre jungen Früchte sind essbar. Sie werden gekocht oder wie Gurken eingelegt. Die reifen harten Kapseln sind hakenförmig ausgeformt, erinnern etwas an Vögel und sind in Gestecken sehr dekorativ. Die ganze Pflanze ist drüsig behaart und ein „Fleischfresser“, weil kleine Insekten darauf kleben bleiben und verdaut werden.

24. Schildampfer (Rumex scutatus)

Schon in früheren Zeiten wurde der Schildampfer als Blattgemüse wertgeschätzt. Sonst findet das Knöterichgewächs wie Sauerampfer Verwendung. Die Blätter sind aber etwas kleiner, saurer und zarter. Joghurtsaucen und Sommersalate bekommen durch ihn einen frischen, leichten, säuerlichen Geschmack. Die alte anspruchslose, ausdauernde Bauerngartenpflanze bildet graugrüne Polster, mit etwa 20 cm Höhe. Sie wachsen in voller Sonne, wie im Schatten, selbst in Fugen und Kästen und schotterigen Böden. Mit genügend Wasser versorgt schmecken die schildförmig ausgeformten Blätter milder. Ihr zitronig-saures Aroma macht sie das ganze Jahr lang zur mild-säuerlichen Köstlichkeit, besonders an heißen Sommertagen aber werden sie als Erfrischung geschätzt.

25. Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)

Die dankbare Gartenpflanze bietet schmackhafte Blätter und essbare Blüten. Ab April kannst du die Kapuzinerkresse direkt draußen im Gemüsebeet ausgesäen. Auch Hochbeete oder Kübel (mind. 10 Liter) mit torffreier Pflanzerde sind sehr gut geeignet. Alternativ kann sie ab April auch drinnen auf der Fensterbank vorgezogen werden, ab Mitte Mai geht es ins Freie. Kapuzinerkresse braucht sonnige Standorte. Je magerer der Boden, desto mehr Blüten bekommt sie. Außer Gießen braucht sie keine Pflege. Blätter und Blüten können laufend beerntet und z.B. roh, auf dem Brot oder im Salat gegessen werden. Die Knospen können als Kapernersatz eingelegt werden. Kapuzinerkresse klettert als Spreizklimmer oder Blattstielranker und wächst auch überhängend.

 

Fotos: „Natur im Garten“, Benes-Oeller, Brocks, Holzapflel, Streicher

 

Die Umweltbewegung „Natur im Garten“ feiert ihr 25-jähriges Jubiläum – und alle Tiere im grünen Reich unserer Gärten, Terrassen, Balkone und auch in den Grünräumen unserer Heimatgemeinden feiern mit! Warum das? Wer auf chemisch-synthetische Pestizide, Kunstdünger und Torfprodukte verzichtet und liebevoll im Sinne aller Lebewesen naturnah pflegt und gestaltet, der schenkt der Tierwelt wertvollen Lebensraum inmitten verbauter Städte und Siedlungen. Das macht unser zu Hause nicht nur für uns echt lebenswert, sondern gibt auch den Tieren Grund zum Feiern!

1. Superorganismus Naturgarten

Jedes Tier ist ein Teil des Ökosystems: die Einteilung in Nützlinge und Schädlinge ist eine von uns Menschen gemachte. So gäbe es wie wir nun wissen z.B. keine Marienkäfer ohne Blattläuse, keine Kohlmeisen ohne Raupen wie die des Frostspanners und keine Igel ohne Schnakenlarven oder Engerlinge. Beim ökologischen Gärtnern sollten deshalb grundlegend alle Organismen Platz in unserem grünen Reich finden.  

Deshalb ist ökologisches Gärtnern so wichtig: Eingriffe in das sensible Gefüge an Lebewesen und den kleinen, grünen Kosmos, der uns umgibt, erfolgen beim ökologischen Gärtnern überlegt und mit Bedacht. Wenn am Gemüse oder den Zierpflanzen unerwünschte Besucher überhandnehmen, so stehen uns im Naturgarten Geduld und ergänzend schonende Maßnahmen zur Verfügung. Jene besonders unbeliebten Besucher, wie z.B. die Spanische Wegschnecke, der Buchsbaumzünsler oder die Grüne Reiswanze sind nicht heimische Tierarten (Arten die erst seit kurzem Teil des natürlichen Gefüges sind), die durch den Menschen eingeschleppt wurden und deshalb meist noch keine Gegenspieler im vorhandenen Ökosystem haben. Selbst diesen sollten wir jedoch mit schonenden Maßnahmen begegnen. Würde radikal mit chemisch-synthetischen Pestiziden und Kunstdünger gearbeitet, dann würden wir aus einem eigentlich balancierten System eine Art Kampfszenario formen. Denn wenn die „Nützlinge“ durch die Bekämpfung der „Schädlinge“ als Kollateralschäden verschwinden, dann stehen wir den „Schädlingen“ am Ende ganz allein gegenüber oder müssen eines Tages wie anderenorts die Obst- und Gemüseblüten per Hand bestäuben. So wäre der Garten - selbst wenn Gartenarbeit fordern ist - kein Ort der Erholung und Entspannung, sondern vor allem eine Aufgabe und Verpflichtung. Und das wäre traurig – denn unsere Gärten, Terrassen, Balkone und Gemeindegrünflächen können durch ökologisches Gärtnern gesunder, schöner, begeisternder, heilsamer, rundum wertvoller Lebensraum für alle Organismen - inklusive uns als Teil dieser lebendigen Gemeinschaft - sein.  

Jeder Tag bietet eine neue Gelegenheit, um ökologisch und damit klug und verantwortungsbewusst zu Gärtnern!

Gartentiere-Klassiker, die alle lieben

2. Igel: „Natur im Garten“ Plakette auf vier Beinen

Gesunde Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben einen vielfältigen Speiseplan. Auf ihren weitläufigen Streifzügen verspeisen sie allerlei saftige Insektenlarven, „Engerlinge“, Käfer oder Regenwürmer. Weil Igel Winterschlaf halten, müssen sie bis zum Herbst zügig an Gewicht zulegen. Im Siedlungsbereich brauchen Igel deshalb naturnahe Gärten, die ohne chemisch-synthetische Pestizide gepflegt werden, damit sie genügend natürliche Nahrung finden können. Damit sie Zugang zum Garten haben, benötigen sie einen Durchschlupf von mind. 10 x 10 cm an mindestens einer Stelle der Garteneinfassung bzw. des Gartenzauns. Zahlreiche weitere Tipps, um deinen Garten „igelfit“ zu machen, findest du in unserem Infoblatt unter www.naturimgarten.at/infoblaetter

3. Blaumeise & Co: Geflügeltes Orchester

Für das Wohlbefinden von Singvögeln wird vielerorts reichlich Bemühung unternommen: Trinkschalen, Badestellen, Futterhäuschen oder Nistkästen können den erwachsenen Tieren dienlich sein, wenn sie regelmäßig mit entsprechender Sorgfalt (!) gereinigt werden. Viel hilfreicher sind aber alte Bäume, heimische Hecken und Staudenbeete mit heimischen Pflanzen. Kohlmeise & Co benötigen nämlich Insekten und Würmer, um ihre Küken zu füttern. Eine durchschnittliche, 11-köpfige Kohlmeisen-Familie frisst vom Schlupf bis zum Ausfliegen der Jungen (Dauer etwa 21 Tage) rund 1,5 kg Insektenmasse. Vögel sind also wichtige Gegenspieler von z.B. Frostspanner- oder Apfelwickler-Raupen - so einfach, effektiv und unterhaltsam kann ökologischer Pflanzenschutz sein!

4. Marienkäfer: 7 Punkte im Blattlausführerschein

Kleine, sympathische Krabbler, wie der Siebenpunkt-Marienkäfer, gehören nicht nur weil sie Glück bringen in jeden Garten. Sie zählen mit zu den effektivsten Gegenspielern von Blattläusen. Die Marienkäfer benötigen aber im Frühjahr ein bisschen Zeit, um auf die Blattlaus-Schwemme reagieren zu können. Deshalb ist es wichtig, den Blattläusen nicht gleich mit voller Kraft an den Kragen zu gehen. Hat sich das ökologische Gleichgewicht mit ein wenig Geduld unsererseits eingependelt, dann können wir auf die fleißige Mitarbeit der Marienkäfer zählen - bis zu 150 Blattläuse pro Tag vertilgt ein Marienkäfer, eine Marienkäferlarve benötigt für ihre Entwicklung bis zu 800 Blattläuse! Zum Überwintern ist eine gemütliche Laubschicht unter Hecken ideal.

5. Regenwurm & Co: Helferlein unter Tage  

Regenwürmer leben in selbst gegrabenen Röhren und sind nachts aktiv, um organisches Material in den Boden zu ziehen und dort zu verwerten.  Der Regenwurmkot ist bis zu siebenmal nährstoffreicher als normale Gartenerde. Durch ihre Tätigkeit wird der Boden außerdem gelockert und durchlüftet, was sich positiv auf das Pflanzenwachstum auswirkt. Unter Tage arbeiten auch unzählige andere Organsimen für unsere Bodengesundheit. In einer Handvoll gesundem Boden können zahlenmäßig gesehen mehr Bodenorganismen leben als es Menschen auf der Erde gibt. Schonende Bodenbearbeitung, organische Düngung mit Kompost und Mulchen im Gemüse- und Staudenbeet fördert Regenwürmer und all ihre anderen hilfreichen Kolleginnen und Kollegen.  

6. Schmetterlinge: Zarte Gaukler, bunte Schönheiten

Traue keinem Garten, in dem kein „Unkraut“ wächst! Schmetterlinge und ihre Raupen lieben „Unkraut“ – und wir alle lieben Schmetterlinge. Ohne „Unkraut“ im Garten, würden unsere Schmetterlinge aber verschwinden. Das Tagpfauenauge, Schmetterling des Jahres 2024, frisst als Raupe an Brennnesseln. Auch die Raupen von Admiral, Kleiner Fuchs und Landkärtchen lieben Brennnesselgrün. Am besten lasst ihr Brennnesseln deshalb an verschiedenen Plätzen (sonnig, halbschattig und schattig/feucht) wachsen und auch über den Winter stehen, denn die Puppen ruhen dort bis zum Wunder der Verwandlung. Denkt beim Gärtnern stets daran: ohne Raupen zu fördern, gibt es keine Schmetterlinge. Spezialinfos findest du unter: www.naturimgarten.at/schmetterlinge

Tiere, die wir lieben lernen sollten

7. Erdkröte: Echte „Froschprinzessin“

Die zu Unrecht verpönten Kröten gehen nachts auf die Jagd nach Schnecken und allerlei Insekten. Ein Teich oder Tümpel im Hausgarten ist eine sehr wichtige Unterstützung für Erdkröten und andere wassergebundene Tierarten. Haben sie sich einmal eingefunden, dann sind sie sehr treue Gartenbewohner, da sie zum Ablaichen immer wieder zu ihrem Geburtsort zurückkehren. Ein offener Komposthaufen, Reisig-, Ast- und Totholzhaufen oder eine Benjeshecke sowie locker geschlichtete Holzstapel bieten sichere Rückzugsorte und feuchte Plätze bei sommerlicher Hitze. Dort fühlen sich auch Molche, Salamander oder Frösche wohl. Das Beispiel der Erdkröte zeigt, dass die meisten Tierarten mehrere Naturgartenelemente zum Überleben benötigen.  

8. Schlangen: Elegant, sensibel & scheu

Den meisten Menschen wird, wenn sie eine Schlange sehen, durchaus bange. Wir sind es eben kaum gewöhnt, dass wir Tieren begegnen, die sich in Bedrängnis (verständlicherweise) auch wehrhaft verhalten können. Aus Unwissenheit und Angst werden die eleganten Jägerinnen oft vertrieben oder sogar getötet, dabei stehen die bereits seltenen Tiere unter strengem gesetzlichem Schutz! Schlangen sind Fluchttiere, die meist bereits verschwunden sind, bevor wir sie überhaupt bemerken. Hierzulande können wir im Garten vor allem ungiftige Nattern, wie die Äskulapnatter, die eine begnadete Wühl- und Hausmaus- sowie Rattenjägerin ist, beobachten. Schlangen sind sehr anspruchsvolle Tiere, ihr Vorkommen ist ein lebendiges Qualitätszertifikat für deinen Garten.

9. Fledermäuse: Batman auf Achse

Abends und nachts, wenn wir Menschen schlummern, begeben sich Fledermäuse lautlos in unseren Gärten auf Nahrungssuche. Mit großem Appetit - eine Kolonie aus 50 Tieren vertilgt pro Saison mindestens 15 kg Insekten und eine Mückenfledermaus kann bis zu 3.000 Gelsen pro Nacht erbeuten - halten sie zahlreiche unliebsame Gartenbewohner im Zaum, die den tagaktiven Nützlingen wie Singvögeln entgehen würden. Leider zählen diese einzigartigen Tiere zu den am stärksten bedrohten, heimischen Säugetieren. Du kannst Fledermäusen unter die Flügel greifen, indem du alte Bäume mit Baumhöhlen stehen lässt oder ein Beet mit Nachtfalter-Blumen anlegst. Weitere Tipps zur fledermausfreundlichen Gartengestaltung findest du unter www.naturimgarten.at/broschueren

10. Spinnen: Tarn- und Netzkünstlerinnen

Spinnen gehören leider zu den weniger beliebten Tieren in Haus und Garten. Dabei sind Spinnen aufgrund ihres breiten Beutespektrums ebenso wertvolle Helferinnen im Garten wie etwa Marienkäfer. Blatt- und Wollläuse, Blattwespen, Gelsen, Gallmücken, Fliegen, Käfer und viele andere Insekten und auch andere Spinnen stehen auf dem Speiseplan unserer Tarn- und Netzkünstlerinnen. Webspinnen wie z.B. die Gartenkreuzspinne oder die auffällige Wespenspinne fangen ihre Beute in kunstvollen Netzen. Die Wolf- und die Listspinne sind hingegen freijagende Räuber. Die Veränderliche Krabbenspinne spinnt auch kein Netz. Sie ist eine Lauerjägerin, die ihre Körperfarbe von weiß bis gelb an die Farbe der Blüte, auf der sie ihrer Beute auflauert, anpassen kann.

11. Wespen und Hornissen: Ungeliebt aber nützlich

Normalerweise ist ein Wespen- oder Hornissennest im Garten unproblematisch, sofern man den notwendigen Respektabstand wahrt. Für uns Menschen werden beim Essen eigentlich nur zwei Arten, nämlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, lästig. Dieser schlechte Ruf wird oft leider auch den nützlichen und friedliebenden Arten, wie der Feldwespe, zum Verhängnis. Sie füttern ihre Nachkommen z.B. mit Blattläusen oder Gelsen. Bei vielen Arten ernähren sich die erwachsenen Tiere unter anderem von Nektar und tragen so zur Bestäubung bei. Ein einziges Hornissenvolk trägt täglich rund 1/2 kg Insekten wie z.B. Wespen, Blattläuse oder Fliegen als Nahrung für die Larven ins Nest ein. Erwachsene Hornissen ernähren sich von Nektar, Baum- und Obstsäften.

12. Maulwurf oder Wühlmaus?

Zur Unterscheidung der beiden Tierarten ist eine „Verwühlprobe“ sinnvoll. Zieh dir hierfür Handschuhe an und lege mehrere Gänge auf eine Länge von 30 cm frei. Kontrolliere die Probe nach einigen Stunden oder spätestens am nächsten Morgen. Wurden die Gänge wieder repariert, handelt es sich um von Wühlmäusen bewohnte Bereiche. Sollte der jeweilige Gang nicht verwühlt sein, handelt es sich um unbenutzte Gänge von Wühlmäusen oder um jene des Maulwurfs. Er vertilgt pro Jahr etwa 30 kg Nahrung in Form von allerlei Insekten wie Engerlinge, Drahtwürmer, Erdraupen, Rüsselkäferlarven aber auch Schnecken. Die Anwesenheit eines Maulwurfs zeigt im Allgemeinen an, dass der Boden gesund ist – was eigentlich eine Auszeichnung für den Garten ist.

Summende Obst-, Gemüse- und Kräuterheldinnen  

13. Mauerbienen: unbezahlbare Bestäuberinnen

Honigbienen gehen als Nutztiere zwar der Bestäubungsarbeit brav nach, doch ihre wilden Schwestern - die Wildbienen - sind im Hinblick auf die Bestäubungsleistung die wahren Meisterinnen. Für die Bestäubung eines Hektars Apfelkultur braucht es bis zu 100.000 Honigbienen, aber z.B. nur 530 Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). 100 der für den Menschen wichtigsten Kulturpflanzenarten sind zu 80 % von Bestäubern abhängig. Global gesehen liegt der ökonomische Wert der Bestäubung bei über 150 Milliarden Euro pro Jahr. Der Erhalt und die Förderung heimischer Wildbienenarten ist für den Menschen also kein netter Luxus, sondern lebensnotwendig. Wildbienen und ihre Larven benötigen vor allem Nektar und Pollen heimischer Wildpflanzen.

14. Hummeln – Wahre Könnerinnen der Bestäubung

Die verschiedenen Hummelarten, die auch zu den knapp 700 Wildbienen-Arten Österreichs gehören, zählen vor allem im Frühjahr zu den wichtigsten Bestäubern unserer grünen Speisekammer. Hummeln können täglich mehrere tausend Blüten besuchen - und das selbst bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Außerdem können Hummeln durch ihren schnellen Flügelschlag den Pollen aus Paradeiserblüten schütteln, wodurch sie für einen besonders reichen Fruchtansatz sorgen (eine Hummel kann bis zu 1.000 Paradeiserblüten pro Stunde besuchen!). Mit diesen zwei Superfähigkeiten sind Hummeln den Honigbienen klar überlegen. Die freundlichen Brummer sichern so die Bestäubung von Obstbäumen, Beerenobst und verschiedenen Gemüsepflanzen und somit eine reiche Ernte.

15. Dolchwespen: „Klimawandelgewinnerin“ in schwarz-gelb

Die Borstige Dolchwespe war vor über 10 Jahren verglichen zu heute noch eine seltenere Besucherin in unseren Gärten. Die Klimaerwärmung begünstigt die Ausbreitung des auffällig in schwarz-gelb gefärbten Insekts, welches häufig am Hochbeet oder Kompost beobachtet wird. Dort graben die Weibchen nach Larven oder "Engerlingen" von Blatthornkäferarten wie Mai- oder Rosenkäfer, die ihren Nachkommen als Nahrung (Wirtstier) dienen. Auch wenn der Name "Dolchwespe" gefährlich klingen mag und die Weibchen einen Stachel besitzen, sind die Tiere sehr friedlich. Da sie keine Völker bilden und keine Nester bauen, stechen sie nur in äußerster Bedrängnis. Erwachsene Dolchwespen mögen blaublütige Futterpflanzen wie Dost, Thymian, Minze, Oregano oder Majoran.

Verdeckte Ermittler – Naturgartenpolizei im Einsatz

16. Laufkäfer – Prachtvolle Schneckenjäger

Laufkäfer zählen zu den größten heimischen Käferarten. Das Farbspektrum reicht vom intensiv schwarz-bläulich des Blauvioletten Waldlaufkäfers bis hin zum metallischem Bronze-Grün des Goldlaufkäfers. Die Flügeldecken scheinen fein ziseliert oder sind einfachen Musterungen ausgestattet. Genauso unterschiedlich wie ihr Aussehen sind auch die Ansprüche an die Lebensräume. Ein Großteil dieser Käfer ist nachtaktiv und lebt räuberisch. Sie erbeuten Insekten und anderen Gliederfüßer sowie Regenwürmer und sind mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen auch gnadenlose Schneckenjäger. Das Fressvolumen kann bis zum Dreifachen des Körpergewichtes betragen. Laufkäfer bevorzugen feuchte Verstecke wie z.B. Ast-Laubhaufen oder Steinritzen im Garten.

17. Glühwürmchen-Larven: Der Schrecken der Schnecken

Die im Juni magisch anmutenden Lichtsignale der Glühwürmchen oder „Johanniskäfer“ dienen dem Auffinden der Paarungspartner. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier an feuchte Stellen unter Steinen, in die Erde oder im Wurzelbereich von Gräsern ab. Die Glühwürmchen-Larven sehen wurm- oder asselähnlich aus und leben in Bodennähe. Sie fressen Nackt- und Gehäuseschnecken, welche sie mit ihrem ausgezeichneten Geruchs- und Geschmacksinn ausfindig machen. Die Schnecke wird mit Gift, das über die kräftig gebogenen Kiefer injiziert wird, gelähmt. Danach wird die Beute oft meterweit an einen geschützten Ort, wie einen Laubhaufen, verschleppt und in Ruhe verspeist. Die Entwicklung der Larven bis zur Verpuppung dauert mehrere Jahre!

18. Ohrwurm: Origami-Künstler

Der Ohrwurm ist einer der verkannten Helfer im Garten. Namen wie Ohrkriecher und Ohrzwicker zeugen von seinem unbegründet schlechten Ruf. Selbst Kinder betrachten den freundlichen Krabbler mit Argwohn. Da die vorwiegend nachtaktiven Ohrwürmer unter anderem Blatt- und Blutläuse oder Spinnmilben fressen, sind sie eigentlich wichtige Helfer im Garten. Nur bei Nahrungsmangel nascht er auch einmal an Knospen, Früchten oder ähnlichem. Laub-Reisighaufen, eine Benjeshecke oder eine lockere Streuschicht aus liegengelassenem Laub unter Hecken fördern den kleinen Krabbler. Er kann übrigens fliegen. Mit seinen Zangen am Hinterleib zwickt er keine Ohren, sondern kann die zarten Hinterflügel wie ein Origami-Künstler unter die kurzen Deckflügel falten.

19. Florfliege: Blattlausfressendes Goldauge

Die großen, goldglänzenden Augen haben der Florfliege auch den Namen Goldauge eingebracht. Auffallend sind auch ihre grünen, filigranen und netzartigen Flügel. Die erwachsene Gemeine Florfliege ernährt sich vorwiegend von Blütenstaub, Pollen und Honigtau. Ihre Larven verzehren mit Vorliebe Blattläuse, Blutläuse, Spinnmilben und andere unerwünschte Kleininsekten. Eine solche auch Blattlauslöwe genannte Larve, verspeist im Laufe ihrer Entwicklung bis zu 500 Blattläuse! Die erwachsenen Tiere fliegen auf Wilde Möhre, Dill, Liebstöckel, Wiesenkerbel, Ringelblume, Margerite oder auch Gänseblümchen. Kluge Gartenfans setzen also auf eine ganzjährige, bunte Blütenpracht. Da wirft mit Garantie nicht nur die Florfliege goldglänzende Augen drauf!

20. Schwebfliege: Flugkünstlerin im Einsatz

So manche Schwebfliege, wie z.B. die Hornissenschwebfliege, tarnt sich erfolgreich, um gefährlicher zu wirken als sie ist. Für uns leicht erkennbar sind Schwebfliegen aber durch das für sie typische „Stehen“ im Schwirrflug in der Luft oder über Blüten. Im Naturgarten unterstützen uns die Larven vieler Schwebfliegenarten als äußerst effektive Blattlausfresser. Ein Schwebfliegenweibchen kann über 1.000 Eier legen, eine Larve bis zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 700 Blattläusen verzehren! Die erwachsenen Tiere gelten nach den Wildbienen außerdem als zweitwichtigste Bestäuber-Gruppe. Ihnen gefallen dieselben Pflanzen wie der Florfliege – wer Blühendes sät, lockt also die Top-Elite gegen Blattläuse gezielt zum Einsatzort.

21. Schlupfwespen: Science-Fiction Larven

Schlupfwespen begegnen uns als flinke Insekten mit schlankem, lang gestrecktem Körper. Ihre Larval-Entwicklung erinnert an Sequenzen aus dem Film „Alien“. Die erwachsenen Weibchen besitzen einen Legestachel, mit dem sie bestimmte Insekten anstechen, um in ihnen ihre Eier abzulegen. Im Körper des wie aufgebläht wirkenden Wirtes entwickeln sich die Larven. Die Liste der parasitierten Wirte ist lang. Dazu zählen verschiedenste Insekten wie Schmetterlingsraupen (z. B. Apfelwickler, Kohlmotte oder Prozessionsspinner), Fliegen-, Blattwespen- und Käferlarven sowie Blattläuse. Ein einziges Weibchen kann 200 bis 1000 Blattläuse mit Eiern belegen! Nach dem Schlupf bleibt vom Wirt schließlich nur noch eine leer gefressene Hülle übrig.  

Die „Speziellen“ unter den Gartentieren

22. Eidechsen: Sonnenliebende Minidrachen

Obgleich Zauneidechse und Bergeidechse die häufigsten Eidechsenarten in Österreich sind, wird ihr Anblick zunehmend zur Glückssache. Wenn du Eidechsen im Garten hast, dann bist du also ein echter Glückspilz! Auf dem Speiseplan unserer fünf heimischen Eidechsenarten stehen allerlei Insekten und Larven, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln oder Würmer. Beliebte Hot Spots für das Sonnenbad sind lückenreiche Trockensteinmauern, Stein- oder Totholzhaufen. Im sonnigen Stauden- oder Kräuterbeet, im offenen Komposthaufen, bei Holzstößen oder an alten Baumstümpfen finden die Tiere reichlich Beute. Dornenreiche Naturhecken bieten Schutz vor Fressfeinden auf vier Pfoten, die im Siedlungsgebiet leider oft in Form von gelangweilten Haustigern lauern.

23. Blindschleiche: Heimliche Schneckenvertilgerin

Für all jene, die es bereits wissen wirkt die Erwähnung, dass Blindschleichen keine Schlangen, sondern beinlose Echsen sind, immer etwas streberhaft. Jene denen die Information neu ist, erleben meist einen erleichternden Aha-Effekt, vor allem wenn sie Angst vor Schlangen haben. Die eigenwilligen Einzelgänger vertilgen nebst Insekten, Spinnentieren und Regenwürmern gerne junge Nacktschnecken im Ganzen, die sich so nicht mehr vermehren können. Jeder Gartenfan sollte Blindschleichen also feiern und ihnen einen Ehrenplatz im Garten bieten. Nichts leichter als das: eine Benjeshecke, Ast-Laubhaufen, ungemähte Bereiche – z.B. unter Hecken mit einer schönen Laubschicht, ein offener Komposthaufen oder ein Wildes Eck werden gerne angenommen.

24. Libelle & Co – Leben im kühlen Nass

„Wasser ist Leben!“ - vor allem in der heißen Jahreszeit ist Wasser im verbauten Gebiet unserer Siedlungen und Städte ein rares, aber für alle Tiere überlebenswichtiges Gut. Der größte Luxus für Mensch und Tier ist ein Gartenteich mit einer flach abfallenden und entsprechend bepflanzten Uferzone. Libellen, Kröten, Frösche, Molche, Gelbrandkäfer, Posthornschnecken, Wasserläufer und viele mehr haben ihr Zuhause im kühlen Nass und sind für ihr Vorkommen darauf angewiesen. Fische gehören dagegen nicht in den Teich. Für wenig Raum im Reihenhausgarten, auf dem Balkon oder der Terrasse kann auch ein Miniteich im Kübel gestaltet werden. Eine regelmäßig gereinigte, flache Wasserschale ist allen Tieren als wertvolle Trinkmöglichkeit willkommen.

25. Totengräber und Ameisen: Aufräumtrupp des Jenseits

Wo das Leben ist, dort ist auch der Tod – das mag morbide anmuten, gehört aber nun einmal untrennbar zusammen. Ein unermüdlicher Aufräumtrupp bewerkstelligt im Garten den Abbau jener Wesen, die an ihrem Lebensende angelangt sind. Große Tiere werden zunächst von Füchsen, Mardern, Krähen, Greifvögeln u. Ä. zerlegt. Die Feinarbeit bis zu den blank geputzten Knochen übernehmen Fliegenlarven und Ameisen. Kleinere Kadaver werden auch von Aaskäfern wie dem Gemeinen Totengräber eingegraben. Neben dem Kadaver legt das Weibchen in einer eigenen Brutkammer die Eier ab. Die Larven werden, bis sie selbst fressen können, vom Käferweibchen gefüttert. Für uns wäre es äußerst unappetitlich, wenn diese Tierarten ihre wichtige Tätigkeit einstellen würden.

 

Fotos: „Natur im Garten“, Haiden, Lhotka, Weber, Mayrhofer, Benes-Oeller, Tüchler, Hailder, Brocks, Liehl-Rainer, AdobeStock, Pixabay

 

„Natur im Garten“ ist eine vom Land Niederösterreich getragene Bewegung, welche die Ökologisierung von Gärten und Grünräumen in Niederösterreich und über die Landesgrenzen hinaus vorantreibt. Die Kernkriterien der Bewegung „Natur im Garten“ legen fest, dass Gärten und Grünräume ohne chemisch-synthetische Pestizide und Dünger und ohne Torf gestaltet und gepflegt werden. „Natur im Garten“ bietet unterschiedliche Angebote für private Hobbygärtnerinnen- und Gärtner genauso wie für Gemeinden, Profigärtnerinnen und -gärtner sowie Pädagoginnen und Pädagogen.

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