Unterretzbach

Angergärten - Schaugarten Gartendorf

Die Allmende (Gemeindegut) wurde für die örtliche Bevölkerung neu erschlossen, zum Genießen und um sie in die gemeinsame soziale Verantwortung für die Nachbarschaft einzubinden. Der Grundgedanke des Gartens ist ein Prozess, der das Alltagsleben der Menschen verändert, sodass Gartenarbeit Teil des Lebens wird und dieses durch Gesundheit und Vergnügen bereichert. Schönheit allein ist nicht genug.
 
Der Dorfanger von Unterretzbach ist viele Hunderte von Jahren alt und begründet sich auf die für das Weinviertel typischen Siedlungsentwicklungen mit Hofhäusern, dem entsprechenden Hintaus und den Grünräumen zum gemeinschaftlichen Ortsraum hin. Entlang des Landbaches gab es genügend Feuchte für die Entwicklung einer vielfältigen Hortikultur und Landwirtschaft und so änderte sich die Nutzung des großzügigen Grünraums von einer einstmals gemeinschaftlichen Weidefläche zu einer vielfältigen Gartenlandschaft.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts graste Vieh in der Mitte des Dorfes, dann wuchsen auf so genannten Hausäckern meist Kohl, Erdäpfel und Bohnen und natürlich Obstbäume. Auch nach dem 2. Weltkrieg wurde der Anger für Subsistenz genutzt, erst ab den Siebziger Jahren entstanden neue Gartenbilder, der gesamte Grünraum wurde in seiner Einzigartigkeit wertgeschätzt (so ist es auch gelungen ihn unverbaut zu halten) und verbindende Gestaltungselemente, wie z.b. Kastanien- und Birkenalleen wurden eingebracht, um vermehrt dem Erholungsaspekt Rechnung zu tragen.

Die Bewohner nutzten die grüne Mitte immer mehr als Privatgärten und als Gemeinschaftsfläche. Manche Gärten wurden eingezäunt, andere gingen ineinander über und erzeugten so den Eindruck eines großen zentralen Parks, der zahlreiche Gestaltungs- und Gartenstile repräsentiert.

Die heutige Gartenlandschaft zeigt ein buntes Bild aus Gemüsengärten, Blumengärten, Gärten mit starkem Gestaltungswillen- geschnittene Buchshecken, strenge Strukturen und dann wieder mit großzügigem Parkcharakter. Manche Bereiche werden nach wie vor gemeinschaftlich gepflegt.

Vor ca. 2 Jahren begannen engagierte Bewohnerinnen der Ortschaft sich vermehrt mit den unterschiedlichen Gartennutzungen und dem spannenden Wechselspiel aus Privatgärten und gemeinsamen öffentlichen Räumen als Gemeinschaftsgut zu beschäftigen. Gemeinsam mit tschechischen Patnerorten wurde das alte gartenkuturelle Erbe erhoben und Wege gefunden, diese an heutige Bedürfnisse zu adaptieren.

Die kulturelle und natürliche Vielfalt der Gärten sollte erhoben werden, um ein Angebot zu entwickeln, das zum einen der Bevölkerung selbst die Einzigartigkeit ihres Lebensraumes bewusster macht, und zum anderen, um ein Gartentourimusangebot zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Aspekten der Selbstversorgung und Vielfalt von Wild- und Kulturpflanzen bzw. die unklare Grenze dazwischen, weiters das Haltbarmachen, Veredeln und Genießen. 

So wurden Gärten einzelner Teilnehmerinnen entsprechend adaptiert, umgestaltet, mit alten Obst- und Gemüsepflanzen bepflanzt, Obstbäume mit alten Reisern veredelt und neue Gärten angelegt. Ein neuer Garten ist der Garten der verrückten Proportionen (work in progress) für Kinder und Erwachsene und ein weiterer der Barfußgarten mit vielen Kräutern aus aller Welt.

Auf der Karte


Weitere Gärten in der Region