Retz

Landespflegeheim - Freiräume als Lebensorte

Durch die Gelände- und Bebauungsform, das Motto des Hauses „Begegnungs- und Erlebnisraum“ und den Projektprozess des Landespflegeheims Retz wurden folgende Freiräume optimiert angelegt:

Der Begegnungsgarten
Im Erdgeschossgarten vor dem Pflegeheim, ohne Zaun und Barrieren, ermöglichen vielfältige Gartenelemente Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Generationen und der Mitwelt. Hochbeete werden von BewohnerInnen und deren Angehörigen oder auch mit Volksschulkindern gemeinsam bewirtschaftet. Auch die einzelnen Stationen haben eigene Hochbeete und BewohnerInnen des Betreubaren Wohnens können ebenso Pflanzflächen nutzen oder helfen bei der Gartenpflege mit. Staudenbeete, eine Fühlwand, Nutztiergehege und Wasserelemente regen alle Sinne an. Zahlreiche Plätzchen laden zur Rast ein.   

Der befriedete Garten
Rückwärts im ersten Obergeschoss befindet sich dieser Gartenbereich v.a. für Menschen mit Demenz. Ein Rundweg führt zu Aufenthaltsplätzen, an Energielinien orientiert, und zu Strauch-, Stauden- und Nutzgartenbeeten, die alle Sinne ansprechen und regionalen und biographischen Bezug herstellen. Ein neuer Pavillon inmitten des Gartens und ein neues Gartenhäuschen werden intensiv u.a. von der Tagesbetreuung genutzt. Neben Blüten, Früchten und Versteckmöglichkeiten laden ein Quellstein mit Vogeltränke, Nistkästen, Nützlingshotels und Altholz die heimische Fauna ein.  

Gartenerlebnis auf den Loggen
Der Garten, Flora und Fauna, wurde auch in die oberen Geschosse gebracht und ist mittels kurzer Wege gut erreichbar.

Arbeits- und Pausenfreiraum fürs Personal
Teilbereiche des Gartens und der Loggen wurden für Personalnutzung adaptiert, dienen der körperlichen und geistigen Regeneration bzw. auch als Outdoor-Arbeitsraum.

Alter
Durch den Neubau des Pflegeheimes 2010 wurden auch neue Freiräume geschaffen. Start des Prozesses war das ETZ Projekt Gartentherapie – soziale Involvierung und Inklusion. Das Haus wurde von lebensorte von 2013 bis 2015 begleitet. Die optimierten Gärten werden intensiv genutzt und laufend weiterentwickelt.

Pflege
Die Pflege der Freiräume erfolgt über verschiedene Berufsgruppen des Heimpersonals teils zusammen mit BewohnerInnen, Ehrenamtlichen u.a. des Betreubaren Wohnens, Angehörigen und Kooperationen mit lokalen Einrichtungen und Vereinen.

Kultureller und sozialer Wert
Die optimierten Nutzungen und die Gestaltung der Gärten ist Ergebnis eines von lebensorte gut durchdachten begleiteten Partizipationsprozesses unter Einbeziehung aller relevanten Akteurinnen und Akteure. Dieses Konzept der gemeinsamen Gartenplanung und des Gartens als Raum der Aktivierung, Begegnung und Austausch mit Pflanzen, Tieren und Menschen verschiedener Generationen fördert das Miteinander, die soziale Inklusion und die Gesundheit. Es steigert die lokale Lebensqualität und das Interesse aneinander und verringert so die Isolation. Zur besseren Orientierung der Zielgruppe wurde auch auf regionaltypische Gartenelemente gesetzt.

Das Projekt wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet: mit dem Teleios 2015, Preis für Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit in der österreichischen Altenpflege und der SozialMarie prize for social innovation 2016. Weiters war es unter den nominierten Projekten zum Vorsorgepreis 2016.   

Ökologie und Biodiversität
Die Bepflanzung ist sehr vielfältig und besteht aus standortgerechten Arten, die jahreszeitliche Orientierung bieten und Lebensraum für die heimische Fauna sind. Es gibt Totholz-, Steinelemente und Wasserbecken. Die Bewirtschaftung erfolgt nach biologischen Grundsätzen.

Anpassung an den Klimawandel
Bestehende barrierefreie asphaltierte Wege wurden nicht verändert. Großteils standortgerechte, teils regionale Bepflanzung. Beschattungs- und Windschutzelemente wurden optimiert. Gießen nach Bedarf mit eigenem Brunnen.

Prozessdesign, Begleitung + Planung
lebensorte – Brigitta Hemmelmeier-Händel (PL)  + Karin Schauer

Auf der Karte


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