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Torferden sind Klimakiller

Torferden sind Klimakiller

Landesrat Martin Eichtinger: „Ein 40 Liter Sack Torferde setzt 10 Kilogramm CO2 frei. Das entspricht einer Wegstrecke von 50 Kilometern mit einem Benziner. Greifen Sie daher zu torffreier Erde!“

Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel und Verzicht auf Torf – diese 3 Kernkriterien von „Natur im Garten“ sind seit 22 Jahren der Maßstab für ökologisches Gärtnern. Doch gerade beim Punkt „Verzicht auf Torf“ haben viele Konsumentinnen und Konsumenten Fragen. „Was soll man stattdessen kaufen?“ oder „Auf der Verpackung steht ja bio“? „Natur im Garten“ will den Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern 2021 eine Hilfestellung bei der Kaufentscheidung geben. Frei nach dem Motto: Torffrei – sei dabei! Denn über 90 Prozent des in Österreich verwendeten Torfs landet als Erde im Beet, Kübel oder Kisterl.

Bio ist bei Erden nicht gleich torffrei
Bio wird mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz assoziiert. Bei der Erde für Garten, Balkon oder Terrasse ist die Bezeichnung „Bio“ trügerisch, dürfen Bio-Erden doch bis zu 70% Torf enthalten. Wenn der Torfabbau in diesem Tempo fortgesetzt wird, gibt es in 50 Jahren keine Moore mehr. „Torf ist zwar ein Naturprodukt, jedoch werden durch seinen Abbau wichtige CO2 Speicher zerstört und Moore bilden sich erst nach Jahrhunderten wieder nach“, so Landesrat Martin Eichtinger: „Greifen Sie zu torffreier Erde. Zudem stellen viele Gemeinden Komposte zur kostenfreien Selbstabholung zur Verfügung.“ Torfmoose bilden pro Jahr nur ca. 1 Millimeter nach, das ergibt 1.000 Jahre für eine ein Meter dicke Torfschicht. Zudem haben Torfprodukte weite Reisen hinter sich, bis sie bei uns in den Handel gelangen. 53% kommen aus Nord-Deutschland, 17% aus Lettland und 15% aus Tschechien. Der Rest aus Estland, Litauen und Russland.

Moore sind essentiell für Klima und Biodiversität
Obwohl Moore nur 3% der Landfläche ausmachen, sind dort 30% des gesamten vorkommenden terrestrischen Kohlenstoffs gebunden. „Natürliche Moore leisten den besten Klimaschutz, da sie CO2 auf lange Zeit in den Boden einlagern. Beim Abbau von Torf werden klimaschädliches CO2, Methan und auch Lachgas, das 300 Mal klimaschädlicher ist als CO2, freigesetzt“, so Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“. Zudem beheimatet das Ökosystem Moor hochspezialisierte Pflanzen und Tiere, die bei fortschreitendem Abbau der Moore zum Aussterben verdammt sind. Für den nächsten Kauf hat Batakovic 2 Tipps parat: „Achten Sie auf das „Natur im Garten“ Gütesiegel oder holen Sie sich Beratung bei einem der 164 ,Natur im Garten‘ Partnerbetriebe. Moore sind so wichtig, dass es sich lohnt, ein paar Euro mehr in torffreie Erde zu investieren.“

Warum Moore erhalten?

Moore und Feuchtgebiete sind für unser Ökosystem von großem Wert: Moore regulieren den Landschaftswasserhaushalt und können Hochwasserspitzen dämpfen. Sie wirken positiv auf die Wasserqualität, fungieren als Stoffsenke von Stickstoff- und Phosphorverbindungen sowie von Spurenelementen wie Blei, Kupfer oder Mangan. Durch diese Filterfunktion kann aus Mooren Wasser in Trinkqualität an Flüsse, Seen und Grundwasser abgegeben werden. Die wohl herausragendste Funktion der Moore ist jedoch die eines fossilen Kohlenstoffspeichers. Obwohl Moore und Feuchtgebiete nur 3% der Landfläche auf der Erde ausmachen, werden 30% des gesamten vorkommenden terrestrischen Kohlenstoffs dort gespeichert. Wird ein Moor zur Nutzung entwässert, entweichen sehr große Mengen Kohlendioxid und das 300-mal klimaschädlichere Lachgas. Renaturierung und Wiedervernässung von Mooren sind wichtig, aber allem voran ist der bewusste Verzicht auf die Verwendung von Torf eine gewaltige Einsparmaßnahme von Treibhausgas-Emissionen.

Überlegene Ersatzstoffe

Aus Sicht vieler GartenbauexpertInnen ließe sich die Zerstörung ökologisch wertvoller Moorflächen zur Torfgewinnung weitgehend vermeiden. Denn die Erfahrung zeigt, dass Torf keineswegs das ideale Mittel zur Bodenverbesserung ist. Der Handel bietet inzwischen eine Vielzahl von Ersatzstoffen an. Wer seinen Garten umweltbewusst bewirtschaften will, sollte deshalb beim Kauf von Blumenerde auf die Angaben auf der Verpackungsrückseite achten und am besten auf vollständig torffreie Produkte zurückgreifen:

Eine preiswerte und naturverträgliche, dabei wirkungsvollere Alternative zum Torf ist Kompost, der im eigenen Garten anfällt oder in gewerblichen und kommunalen Kompostierungsanlagen angeboten wird. Gartenkompost ist reich an Nährstoffen. Es sind hohe Mengen an Phosphor und Kalium im Kompost enthalten, sodass nur noch ein stickstoffbetonter organischer Dünger (wie z.B. Schafwollpellets oder Phytogrieß) hinzugefügt werden muss. Außerdem lässt sich mit Kompost die Bodenqualität nachhaltiger verbessern als mit Torf. Noch bessere Eigenschaften als der Gartenkompost weisen Grüngut- und Bioabfallkomposte aus Kompostierungsanlagen auf.

Beim Rindenhumus handelt es sich um zerkleinerte und kompostierte Rinde. Man erhält ihn mit oder ohne Zusatz von Nährstoffen. Auch der Rindenhumus verbessert im Vergleich zum Torf die Qualität des Bodens über einen deutlich längeren Zeitraum. Rindenhumus sollte man jedoch nicht mit Rindenmulch verwechseln, der aus nur grob zerkleinerter und nicht kompostierter Rinde besteht.

Holzfasern werden aus Sägeholzresten gewonnen. Da sie nur einen geringen natürlichen Nährstoffgehalt aufweisen, sind sie häufig mit zusätzlichen Düngemitteln angereichert. Ähnlich wie Torf verbessern sie die Bodenqualität jedoch nur für relativ kurze Zeit.

Kokosfasern eignen sich hervorragend zur Pflanzenaufzucht. Sie haben ebenso wie Holzfasern eine ähnliche Konsistenz wie Torf und können Wasser gut speichern. Da sie sich nur langsam zersetzen, sind sie geeignet, die Bodenqualität über einen längeren Zeitraum zu verbessern. Allerdings haben sie weite Transportwege hinter sich.

Inzwischen werden auch Chinaschilf- und Hanffasern als Torfersatzstoffe eingesetzt. Chinaschilffasern eignen sich ebenfalls gut zur Wasserspeicherung. Hanffasern haben sich besonders in Mischungen mit Kompost bewährt.

Komposte, Rindenhumus sowie Holz- und Kokosfasern können sowohl zur Bodenverbesserung als auch in Substraten verwendet werden, in denen Topf- und Kübelpflanzen herangezogen werden. Der entscheidende Nachteil von Torf ist neben der Klimaschädlichkeit, dass er Wasser sehr schlecht aufnehmen kann, sobald er einmal ausgetrocknet ist. Das tritt bei den Ersatzstoffen nicht auf. Allerdings können sie Wasser nicht so lange speichern wie Torf. Deshalb müssen die Pflanzen öfter, aber mit geringeren Mengen gegossen werden.

Erden kühl und schattig lagern

Herkömmliche Handels-Erden enthalten oftmals bis zu 90% Torf. Torffreie Substrate bestehen zum großen Teil aus Holzfaser, Grünschnittkompost, Pflanzenkohle oder Rindenhumus. Selbst Bio-Erden sind nicht immer torffrei, sondern oft nur torfreduziert mit Torfanteilen von bis zu 70 Prozent! Wichtig beim Kauf von Substraten ist also, auf die Kennzeichnung „torffrei“ zu achten. Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist die Lagerung der Substrate im Verkauf, aber auch zu Hause. Torffreie Erden sind häufig biologisch aktiver als Torfsubstrate, weil sie mehr Kompost enthalten, der seine Nährstoffe mit Hilfe der zahlreichen enthaltenen Mikroorganismen weiterhin umsetzt. Bei der Lagerung in der prallen Sonne und bei hohen Temperaturen leiden die Bodenlebewesen und die Qualität nimmt ab – wie bei allen Erden. Sie sollten daher kühl, schattig und bei möglichst gleichbleibenden Temperaturen gelagert werden. Verwenden Sie die Erde innerhalb weniger Wochen oder beleben Sie das Substrat vor dem Einsatz mit Komposttee oder Effektiven Mikroorganismen.

Substrate selbst mischen

Sie können ihr Pflanzsubstrat auch selbst mischen: Für eine kostengünstige, nährstoffarme Aussaaterde mischt man magere Gartenerde, z.B. vom Maulwurfshügel, reifen Kompost und Quarzsand zu gleichen Teilen. Für normale Pflanzerden, die bei Blumenkästen oder Hochbeeten zum Einsatz kommen, nehmen Sie einfach mehr Kompost oder verwenden Sie nährstoffreichere Gartenerde (z.B. von gut mit organischem Dünger versorgten Gemüsebeeten). Ein Kressetest zeigt, ob der verwendete Kompost reif ist: Füllen Sie eine 2-3 cm hohe Schicht puren, angefeuchteten Kompost in ein Glas, säen Sie die Kresse ein und gießen Sie das Ganze leicht an. Nach wenigen Tagen sollten die Keimlinge fast alle aufgelaufen sein und schön gleichmäßig grüne Blättchen gebildet haben. Verfärbungen, gelbe Blättchen oder Wachstumshemmungen weisen darauf hin, dass der Kompost noch nicht einsatzbereit ist, sondern weiter reifen muss. Achten Sie auf eine gute Durchlüftung des Substrats. In Kübelpflanzensubstrate kann man neben Kompost, Sand und Gartenerde auch Holzfaser und Ziegelsplit oder Blähton zur Strukturstabilisierung untermischen. Diese Mischungen kosten zwar mehr, aber die Pflanzenwurzeln gedeihen durch die gleichmäßige Wasser- und Luftversorgung langfristig besser.

Was ist beim Umstieg auf torffreie Erde zu beachten?

Steigt man von Torfsubstraten auf torffreie Erden um, gilt es, sich beim Gießen und Düngen umzugewöhnen. Torffreie Substrate weisen eine sehr gute Wasserspeicherfähigkeit auf. Auch wenn das Substrat an der Oberfläche trocken erscheint, ist unter der obersten Schicht oft genug Wasser enthalten. Heben Sie daher den Topf an (Gewichtsprobe) oder prüfen Sie mit dem Finger, ob wirklich eine Wassergabe notwendig ist. Lieber öfter kleinere Mengen gießen als einmal zu viel. Gerade bei Zimmerpflanzen verursachen Staunässe und der damit verbundene Luftmangel häufig mehr Ausfälle als ein Wassermangel.

Die meisten Pflanzen benötigen für schönes Wachstum stickstoffbetonte Dünger, bei denen der Phosphor- sowie der Kaliumanteil geringer ist. Bewährt hat sich eine Feststoff-Grunddüngung z.B. durch Schafwollpellets, Phytogrieß oder ähnliches. Handels-Erden sind schon mit einer Grunddüngung versehen. Der organisch gebundene Stickstoff in der Schafwolle wird zeitverzögert und dann kontinuierlich mineralisiert und steht den Pflanzen so gleichmäßig zur Verfügung. Eine Nachdüngung der Pflanzen kann dann mit einem stickstoffbetonten Flüssigdünger erfolgen. Die Pflanzen sollten regelmäßig nachgedüngt werden, bei kleinen Gefäßen mit wenig Wurzelraum durchaus wöchentlich. Hier eignen sich Flüssigdünger gut, die man einfach mit dem Gießwasser verabreicht. Organische Flüssigdünger sollten im Innenbereich nur in Erdkulturen verwendet werden, keinesfalls jedoch in Hydrokulturen, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden. Achten Sie beim Kauf also unbedingt auf die Produktbeschreibung des Düngers und halten Sie sich an die empfohlene Dosierung.

Unter www.naturimgarten.at finden sie Seminare und Webinare zum Herstellen für torffreie Anzuchterden und zum Komposttieren.

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