Gartenpraxis

Malerisches Treiben im herbstlichen Obstgarten

Der Winter rückt näher und mit ihm wird auch der Frost unweigerlich kommen. Obstbaumarten wie Marille, Pfirsich oder Kirsche aber generell auch Jungbäume mit dünner Rinde und manche Baumarten wie z.B. Ahorn reagieren besonders empfindlich auf starke winterliche Sonneneinstrahlung mit nachfolgenden Nachtfrösten. Unter diesen Bedingungen können Risse in der Rinde entstehen, die in weiterer Folge den Eintritt von Schad- und Krankheitserregern begünstigen. Ein traditioneller Stammanstrich schützt nicht nur vor Frostschäden, er hält auch die Rinde elastisch und die Überlebenswahrscheinlichkeit abgelegter Eier sowie überwinternder Larven von Schadinsekten wird erheblich gesenkt. Durch den langsamen Abtrag des Baumanstriches bei Regen wird zusätzlich der Boden biologisch gedüngt. Der Baumanstrich kann fertig gekauft oder selbst hergestellt werden. Der Vorteil bei der Eigenherstellung liegt in der Möglichkeit, pflanzenstärkende Mittel hinzufügen zu können. Deshalb zeigt uns Biogärtner Karl Ploberger heute wie ein Kalkanstrich nach traditionellem Rezept hergestellt und auf die Rinde aufgetragen wird.        
An einem durchgängig frostfreien, sonnigen Tag wird der Baumstamm zuerst mit Wasser und einer Wurzelbürste abgebürstet. In einem großen Kübel werden 5 Liter Wasser mit 2,5 kg Lehm/Lehmpulver, 1,5 kg Kuhmist und ca. 0,25 kg gelöschtem Kalk (50%iger Kali) zu einem streichfähigen Brei verrührt. Nachdem der Baumstamm getrocknet ist, wird der Anstrich mit einem breiten Pinsel vom Wurzelansatz bis zu den Astansätzen, insbesondere auf die Veredelungsstelle, aufgetragen. Bei stark strukturierter Rinde sollte der Anstrich so oft wiederholt werden, bis die Rinde porentief abgedeckt ist. Anstelle von Wasser kann auch Ackerschachtelhalmbrühe, welche die Bäume vorbeugend gegen Pilzerkrankungen stärkt, zum Anrühren verwendet werden. Stammpflege und Anstrich sollten alljährlich im Spätherbst wiederholt werden.

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